Wir dokumentieren eine Veröffentlichung des Solidaritätsnetzwerks aus Hamburg:
Ende letzten Jahres organisierten wir als Solidaritätsnetzwerk eine Demonstration gegen Polizeigewalt in Billstedt. Im April 2025 zuvor starb dort Emal F., mutmaßlich durch die Folgen von Polizeigewalt. Im April 2026 bekommt ein Genosse von uns Besuch auf der Arbeit, vom Verfassungsschutz. Bezogen wird sich genau auf diese Soliarbeit gegen Polizeigewalt.
Was ist passiert?
Es ist der 02. April, circa viertel nach zehn. Unser Genosse, der als Verkäufer arbeitet, hat als einziger Schicht und bis auf ihn ist der Laden leer. Ein Mann zwischen Mitte 40 und Mitte 50 betritt den Laden, unser Genosse bietet ihm ein Getränk an.
Er nimmt es an und spricht den Genossen kurz darauf direkt mit seinem Nachnamen an. Letztes Jahr habe es eine Demonstration in Billstedt gegeben, über die würde er sich gerne unterhalten.
Daraufhin bricht unser Genosse das Gespräch ab, spricht ein Hausverbot aus und bittet den Mann den Laden zu verlassen. Eine Weile bleibt dieser noch wortlos stehen, kommt der Aufforderung aber schließlich nach mehrfacher Äußerung nach.
Personenbeschreibung:
männlich, weiß ca. 45-55 Jahre alt, ca. 170 cm groß, buckeliger gang, Glatze bzw. vereinzelt kurze blonde Haare, glatte Haut und leicht eingefallene Wangenpartien, schwarzer Rucksack
Ob in St.Pauli, in einer Hamburger Sauna, in Heide oder Kiel – Anquatschversuche bei antifaschistischen und fortschrittlichen Organisationen sind im Norden aktuell keine Seltenheit.
Solche Ansprachen dienen nicht dem „Dialog“, sondern dazu politische Strukturen zu durchleuchten oder Aktivist:innen einzuschüchtern. Wir lassen uns nicht spalten oder unter Druck setzen. Wir bleiben solidarisch und organisiert!
Du wirst angequatscht? Tipps zum Umgang!
Es in letzter Zeit häufig zu Anquatschversuchen gekommen ist, ein paar kurze Tipps:
- Du bemerkst, dass du angequatscht wirst. Die Person sagt eventuell sogar, sie arbeite beim Ministerium für Sport und Inneres. Du kannst und solltest das Gespräch unbedingt unmittelbar abbrechen. Es gibt keine Pflicht, sich mit dem VS oder dem Staatsschutz zu unterhalten und sie haben keinerlei polizeiliche Druckmittel gegen dich. Wer Gespräche abbricht, macht nichts falsch, sondern schützt sich und andere.
- Schreibe möglichst schnell ein kurzes Gedächtnisprotokoll: Wann?, Wer? Was haben sie gesagt? usw. Mach den Anquatschversuch öffentlich! Insbesondere der VS als Geheimdienst fürchtet nichts mehr als eine kritische Öffentlichkeit. Zudem können sich deine Genoss*innen vorbereiten,
denn ein Anquatschversuch kommt selten alleine. - Sprich mit Genoss*innen über den Vorfall und kontaktiere eine Antirepressionsgruppe vor Ort oder einen Anwält*in deines Vertrauens. Die Adressen der Ortsgruppen der Roten Hilfe e. V. findest du unter www.rote-hilfe.de
- Denke daran: Es geht nicht nur um deinen Schutz, sondern auch um den Schutz deiner Genoss*innen, Freund*innen und politischer Strukturen.
- Sei solidarisch! Du erfährst von einem Anquatschversuch oder anderer Repression? Unterstütz die betroffene(n) Persone(n). Repression soll isolieren, das lassen wir nicht zu!
- Warte nicht, bis es dir passiert! Auch jetzt könnt ihr euch bei der Roten Hilfe schon informieren zum Umgang mit Repression!