G20ApUA: Aktenmanipulation und Zeugenabsprachen unter Berliner Polizeizeugen

Wir dokumentieren eine Presseerklärung des G20ApUA:

Der Außerparlamentarische Untersuchungsausschuss G20 (G20ApUA) kritisiert das Urteil gegen Christian R. und weist auf die im Prozessverlauf bekannt gewordenen Versuche der Aktenmanipulation und Zeugenabsprachen hin.

Während der Verhandlung kam es bei einem Beamten zu Widersprüchen zwischen dessen mündlicher Aussage und seinem Zeugenbericht in der Akte. Diese betrafen die Art der Verletzung eines Polizeikollegen sowie das Verhalten des Beschuldigten. Bei der Befragung durch die Verteidigung stellte sich heraus, dass der Polizist versucht hatte, einen Bericht, der im Widerspruch zu dem seiner Kollegen stand, heimlich gegen einen veränderten Bericht auszutauschen. Diesen Bericht hatte er mit der Bemerkung „Jetzt sollte es passen…“ an die Sonderkommission in Hamburg geschickt, wo der aufgrund eines Versehens aber nicht in die Akte gelangt ist.

Alle fünf Zeugen haben von einem einzigen gemeinsamen Treffen kurz vor dem ersten Hauptverhandlungstermin berichtet. Drei haben ausgesagt, dass die Zeugen bei diesem Treffen ihre Erinnerungen an das Geschehen ausgetauscht und abgeglichen hätten.

Trotz dieses eindeutig festgestellten Versuchs der Aktenmanipulation und der Absprachen während eines Vorbereitungstreffens erklärte Richter Johann Krieten in seiner Urteilsbegründung die Zeugen für uneingeschränkt glaubwürdig und bezichtigte Verteidiger Matthias Wisbar, der die oben beschriebenen Vorgänge als Aktenmanipulation und Aussagekomplott bezeichnet hatte, der »anwaltlichen Brandstiftung«. Dieser hält dem entgegen: »Die versuchte Aktenmanipulation durch die Soko Schwarzer Block und die Berliner Beamten sowie das unter anderem an eindeutig erfundenen Aussagen erkennbare Aussagekomplott der Zeugen hätte zu einem Freispruch führen müssen. Wer konsequentes Verteidigerhandeln als ‚anwaltliche Brandstiftung‘ bezeichnet, zeigt eine zutiefst rechtsfeindliche und undemokratische Haltung und ist für das Amt des Richters ungeeignet.“

Während der Hauptverhandlung wurde weiterer E-Mail-Verkehr zwischen Soko und Polizeizeugen bekannt, der Hinweise auf die Bereitschaft zur Manipulation der Akte gibt.

Auszüge:

Soko-Ermittler an die Polizeizeugen: „Ich bitte euch wie besprochen mir einen Bericht zu schreiben, in dem ihr nochmal schriftlich darlegt, was ihr mir gestern alle telefonisch erzählt habt. … Ich habe meinen Bericht den ich geschrieben habe nicht beigelegt. Solltet ihr „Fragen“ haben meldet euch gerne und wir werden alles im Sinne der Sache regeln können.“ (Mail Soko-Ermittler L. vom 19.7.2017)

„Da Herr R. weiterhin in Haft ist, wäre ich euch sehr dankbar, wenn ihr eure Berichte zeitnah fertigen könntet um mögliche weitere Haftprüfungen zu „überstehen“.“ (Mail L. vom
25.7.2017)

„Moin ihr vier, Herr R. ist weiterhin in Haft. Anbei eine Mail der zuständigen Staatsanwältin. Die von ihr genannten Fragen erscheinen etwas sehr kleinteilig, aber je genauer wir (ihr) es darlegen könnt, desto eher ist die StA in der Lage auch einen bes. schw. Fall des Landfriedensbruch begründen zu können. Insofern bitte ich euch eure Berichte nochmals hinsichtlich der genannten Fragen zu betrachten und diese ggf. entsprechend anzupassen, sofern ihr zu den offenen Punkten Angaben machen könnt.“ (Mail L. vom 26.7.2017)

So., 07.01.18, 14 Uhr | Demo zur JVA Billwerder – United We Stand!


Demo zur JVA Billwerder

Sonntag, 7.Januar 2018
14:00-16:00 Uhr
S-Bahn Billwerder/Moorfleet

„Autonome Kaffeefahrt“:
Zum 7.Mal seit dem G20 wollen wir zur JVA Billwerder ziehen und die Gefangenen laut besuchen.
Wir sind da, Kaffee und die Lieblingssongs der NoG20-Aktivisten sind da – seid doch auch da und bringt was Süßes, Reden und Ideen mit: Free them all now!

https://unitedwestand.blackblogs.org/

No G20! United We Stand!

So., 31.12.17, 18 Uhr | Silvesterkundgebung für Musa Aşoğlu – UG Jungiusstraße


*HH: Silvesterkundgebung für Musa Aşoğlu: *

/*am Sonntag, den 31.12.17 von 18 – 19 Uhr vor dem UG Jungiusstraße 3
vor dem Eingang Wallanlagen, Höhe Kita*/

https://freemusablog.wordpress.com
http://political-prisoners.net

/Warum ist Musa Aşoğlu verhaftet worden ? /

Die Kriminalisierung und Verfolgung von linken Aktivistinnen aus der
Türkei und Kurdistan reißt nicht ab. In der BRD finden zahlreiche
„Terrorismusprozesse„ statt und deswegen sind mehr als 25 Menschen
inhaftiert. Musa wurde am 2.12.16 von den deutschen Behörden in Hamburg
festgenommen und im Untersuchungsgefängnis (UG) eingesperrt. Er ist
wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Ausland
(§129b) inhaftiert.

*Der Prozessbeginn: *am 16.1.2018 vor dem OLG Hamburg, Sievekingsplatz 3.

Weitere Prozesstermine: 17.1., 24., 25.,30./31.1.18…..

*Internationale Fahndung*

Bereits 2014 stellte die USA ein Kopfgeld in Höhe von jeweils 3 Mio.
Dollar auf Musa Aşoğlu aus, dem eine Führungspositionen innerhalb der
DHKP-C unterstellt wird.

*Auch die BRD ist beteiligt*

Die BRD beweist mit diesem Vorgehen ein weiteres Mal, wie konsequent sie
ihre Interessen als imperialistische Macht und als Unterstützerin
reaktionärer Machthaber verfolgt. Als wichtigste Waffenlieferant und
Wirtschaftspartner hat die BRD nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass
die Türkei im Rahmen ihres dreckigen Krieges in den kurdischen Gebieten
tausende Menschen ermorden und vertreiben konnte. Allein aus diesem
Grund sollte uns die hiesige Kriminalisierung und Verfolgung von
Befreiungs- und Unabhängigkeitsbewegungen nicht überraschen.

Es besteht auf jeden Fall die Gefahr, das Musa hier für 10 Jahre in
Isolation eingesperrt wird und/oder er danach in die USA abgeschoben wird.

/Kürzlich wurde Erdal Gökoğlu von Belgien in die BRD ausgeliefert./

*Solidarität *

Jeden Donnerstag findet deshalb hier auch eine Kundgebung um 16 Uhr für
Musa statt.

Ein bundesweiter Marsch für Musa vom 12.1. – 31.1.1.18

Eine internationale Konferenz zum § 129b-Prozess gegen Musa Aşoğlu
findet am 10./11. 2. 2018 in Hamburg im Centro Sociale, Sternstr.2 ab 13
Uhr statt

Freiheit für Musa Aşoğlu!

Freiheit für alle politischen Gefangenen!

Weg mit dem Paragraphen §129 !

Netzwerk Freiheit für alle politischen Gefangenen, Hamburg

So., 17.12.17 | Offenes Treffen für Betroffene der G20-Repression – Centro Sociale

Die Rote Hilfe Hamburg lädt am Sonntag, den 17.12.2017 um 17.30 Uhr im Centro Sociale (Saal) zu einem offenem Treffen für Betroffene der G20-Repression ein.

Im Nachgang zum G20-Gipfel in Hamburg erhalten nun immer mehr Menschen Vorladungen, Strafbefehle und Anklageschriften.
Wir wollen euch und uns auf den Stand der Dinge bringen: Was ist bislang an Repression bekannt? Welche Einschätzungen gibt es? Wie gehe ich vor, wenn ich beispielsweise eine Vorladung erhalte (auch vor dem Grund der neuen Gesetzeslage), was muss ich beachten, welche Rechte und Pflichten habe ich?

So., 03.12.17, 14 Uhr | Demo zur JVA Billwerder – United We Stand!


## DE ##
(EN, FR, IT, HU, RU below)

Am Sonntag, den 03.12.2017 wird es um 14 Uhr wieder eine Demo von der S-Bahn Billwerder-Moorfleet zur JVA Billwerder und eine Kundgebung vor Ort gemeinsam mit den Free-Them-All-Sound-System geben. Kommt mit uns und zeigt eure Solidarität! Wie immer mit heißen Getränken, feurigen Reden und den Lieblingssongs der G20-Gefangenen. Bringt was Süsses mit!

Free all now!
Liberi Tutti Subito!
МЫ ВСЕ СВОБОДНЫ!

https://unitedwestand.blackblogs.org/

## EN ##

Convocatory for manifestation at Billwerder prison on 1st of October

united we stand – free all G20 prisoners, now!
Come with us to the prison JVA Billwerder. We visit our friends hostaged
by the City of Hamburg behind huge walls since the G20 summit in
Hamburg. In front of the jail we will have coffee, cake, greetings,
speaches and the Free-Them-All-Sound-Systhem will play the favorite
songs of the imprisoned ones. Please tell us their music wishes, if you
write letters with them or go to visits or if you know their favorite
songs. Please bring cake and cookies with you to share.

Sunday, 03/12/17, 14-17h
Railway station Billwerder-Moorfleet

## FR ##

Appel à la mobilisation pour la manif à la prison de Billwerder.

United we stand – libérez immédiatement tous les prisonniers du G-20 !

Viens avec nous à la prison de Billwerder (JVA). Ensemble nous rendrons
visite à nos ami-e-s que la ville de Hambourg retient prisonniers
derrière de hauts murs depuis le G-20.
Devant la prison il y aura café, gâteaux, discours, messages à
l’attention des détenu-e-s ainsi que, organisé par le soundsystem
Free-Them-Al, la diffusion des morceaux musicaux qu’ils nous ont demandé
de jouer.
Transmettez-nous leurs souhaits musicaux si vous êtes en correspondance
avec eux ou leurs rendez visite ou encore si vous connaissez les
morceaux qu’ils aiment.
Sentez vous libre d’apporter gâteaux et/ou biscuits !

Dimanche, 03.12.17, 14:00-17:00
Station de Métro Billwerder-Moorfleet (S-Bahn)

## IT ##

Invito a una manifestazione al carcere di Billwerder
united we stand – free all G20 prisoners, now!
Vieni con noi a la carcere di Billwerder. Visitiamo gli amici e amiche
che la cittá di Amburgo tiene imprigionati/e dietro alte mura dal G20 in
luglio. Davanti dal carcere ci saranno café e dolci, saluti, allocuzioni
e musica con il Free-Them-All-Sound-System. Ci potete dire le richieste
musicali delle persone incarcerate si corrispondete per lettera con
loro, gli visitate o sapete quale musica gli piace. Per favore portate
torte e biscotti.

Domenica, 03.12.17, 14:00-17:00
Stazione della metropolitana (S-Bahn) Billwerder-Moorfleet

## HU ##

united we stand – free all G20 prisoners, now!
Gyere velünk a JVA-Billwerderhez. Meglátogatjuk barátainkat, akiket
Hamburg városa a G20-as csúcstalálkozó idöpontjától kezdve magas falak
mögé zárt. A börtön elött lessz kávé, sütemény, üdvözleteket küldünk,
beszédeket tartunk, és kivánsági listáról a Free-Them-All-Sound-System
játszik számokat. Mondjátok meg nekünk a bebörtönzöttek kedvenc dalait,
ha levélváltásból velük kiderült, ha meglátogattátok öket, vagy ha
egyszerüen ismeritek a kedvenc számaikat.
Legyetek szivesek, hozzatok magatokkal a felvonulásra süteményt, vagy
kekszet, amit egymással megosztanánk.

Sunday, 03/12/17, 14-17h
Railway station Billwerder-Moorfleet

## RU ##

united we stand-free all G20 prisoners now!
вместе мы сила – немедленно освободить всех узников G20!
Идёмте с нами к тюрьме Бильвердер.
Мы посетим наших друзей, которых город Гамбург
с момента встречи Большой двадцатки держит узниками за высокими стенами.
Перед тюрьмой будут: кофе, пироги, приветствия, речи и пожелания
с Освободи – Их – Всех – Звуковой – Системой. Передавайте нам
музыкальные пожелания заключённых,
если вы с ними переписываетесь, их навещаете или знаете их любимые песни.
Приносите, пожалуйста, с собой пироги и печенья.

Sunday, 03/12/17, 14-17h
Railway station Billwerder-Moorfleet

DNA-Entnahme? Nicht ohne unseren Widerstand!

Die Ortsgruppe Stuttgart meldet, dass im Nachgang des G20 dutzenden Betroffenen Vorladungen der Polizei zugeschickt wurden, in denen sie aufgefordert werden, freiwillig eine DNA-Abnahme vornehmen zu lassen. In der Regel muss eine DNA-Entnahme richterlich angeordnet werden. Die Polizei versucht trotzdem gerne, sie auch ohne eine solche Anordnung von Betroffenen einzufordern.
Ihr müsst auf eine Vorladung der Polizei zur DNA-Entnahme ohne eine richterliche Anordnung nicht eingehen. Falls ihr auch so eine Vorladung bekommen habt oder bekommen solltet, meldet euch bei uns oder einer anderen Antirepressionsgruppe.
Unten stehend der komplette Text von Betroffenen (auch als PDF):
Flyer (PDF)

„DNA-Entnahme? Nicht ohne unseren Widerstand!

Als Anfang Juli der G20-Gipfel in Hamburg stattfand, wurde – wie zu erwarten- aus dem angekündigten Festival der Demokratie schnell ein Festival der Repression. Schon zu Beginn wurde jeder legitime Protest schikaniert, kriminalisiert und angegriffen.
Hunderte AktivistInnen wurden festgenommen, in einer Gefangenensammelstelle zusammengepfercht und in Teilen in U-Haft gesteckt. Andere wurden bei Angriffen von Bullen zum Teil schwer verletzt.
Doch damit noch nicht genug…
Im Nachgang des Gipfels wurden gegen zahlreiche AktivistInnen Ermittlungsverfahren eingeleitet.
In den letzten Wochen flatterten bei dutzenden Betroffenen Vorladungen der Bullen ein, in denen wir aufgefordert werden, freiwillig eine DNA-Abnahme vornehmen zu lassen.
Dies kommt für uns, Betroffene dieser Vorladungen im Großraum Stuttgart, nicht infrage!
Wir werden uns von dieser dreisten und völlig überzogenen Vorgehensweise der Bullen nicht einschüchtern und handlungsunfähig machen lassen!
Nach den Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg soll nun, durch das Herausziehen und Abstrafen einzelner, der Widerstand delegitimiert und GenossInnen eingemacht werden.
Die Auseinandersetzung mit der Repression muss daher als politische Herausforderung begriffen und kollektive Formen des Widerstands müssen erarbeitet werden.
Die Entnahme von DNA-Proben klingt in Zeiten, in denen entsprechende Eingriffe medial als alltäglich und normal dargestellt werden, erst einmal banal.
Tatsächlich handelt es sich aber um einen krassen Eingriff in die Persönlichkeit der Betroffenen.
Der Grund, warum es in der Vergangenheit nicht noch häufiger zu solchen Maßnahmen gegen Linke kam, liegt darin, dass die Bullen häufig auf Widerstand stießen.
Daher ist es umso wichtiger, dass wir auch in dieser Situation kollektiv überlegen und diskutieren, wie wir uns einer solchen Maßnahme widersetzen können.
Jede und jeder muss an dieser Stelle entscheiden, wie weit er oder sie die Konfrontation mit den Repressionsbehörden eingehen will und sich einer solchen Drucksituation aussetzen kann.
Hierbei ist es hilfreich und empfehlenswert, sich gemeinsam mit GenossInnen und der Roten Hilfe zusammenzusetzen und sich zu Vor- und Nachteilen von jedem möglichen Weg einer DNA-Entnahme auszutauschen.

Lasst uns auch diesen Angriff gegen uns mit unserer Solidarität und dem gemeinsamen Widerstand beantworten!

United we stand!

November 2017 | Betroffene aus der Region Stuttgart

In der Regel muss eine DNA-Entnahme richterlich angeordnet werden. Die Bullen versuchen trotzdem gerne, sie auch ohne eine solche Anordnung von Betroffenen einzufordern.
Ihr müsst also auf eine Vorladung der Bullen zur DNA-Entnahme nicht eingehen.
Solange ihr einer Entnahme zustimmt, gilt diese als freiwillig, d. h. auch wenn die Bullen bei dir vor der Tür stehen und dich zu einer DNA-Entnahme auffordern, meist in Form einer Speichelprobe, und du sie ihnen gewährst, gilt dies als eine freiwillige Entnahme.
Wenn du dich dieser Speichelprobe verweigerst, wird in den meisten Fällen ein Amtsarzt/-Ärztin hinzugezogen, der/die dir Blut abnimmt. Hiefür ist eine richterliche Anordnung notwendig!
Erst in diesem Moment gilt die DNA-Entnahme als eine Zwangsmaßnahme!“

Zeug_innenanschreiben des Dezernats Interne Ermittlung und Vorladungen als Beschuldigte

Im Zusammenhang mit den Ereignissen während des G20-Gipfels in Hamburg
werden zurzeit Betroffene vom Dezernat Interne Ermittlung der Hamburger
Polizei angeschrieben, ob sie als Zeug_innen für interne Ermittlungen
gegen Polizist_innen zur Verfügung stehen. Einige der Betroffenen haben
gleichzeitig Vorladungen der örtlichen Polizei als Beschuldigte mit dem
Vorwurf des besonders schweren Landfriedensbruchs erhalten. Wir als OG
Hamburg der Roten Hilfe raten davon ab, durch Zeug_innenaussagen bei
internen Ermittlungen der Polizei mitzuwirken und empfehlen die
Vorladungen zu ignorieren. Auch die Aussagen gegen Polizist_innen können
Ansatzpunkte für Ermittlungen gegen euch und euer Umfeld sein und sind
insbesondere dann problematisch, wenn gegen euch in gleicher Sache
ermittelt wird. Falls ihr doch überlegt, gegen Polizist_innen
auszusagen, sprecht vorher mit eurer RH-Ortsgruppe oder einer anderen
Antirepressionsgruppe vor Ort und geht zu der Vorladung nicht ohne
anwaltlichen Beistand.

Rote Hilfe e.V.
OG Hamburg

So., 01.10.17, 14 Uhr | Demo an der JVA Billwerder – United We Stand!

## DE ##
(EN, FR, IT, HU, RU below)

Aufruf für Demo am Knast Billwerder

united we stand – free all G20 prisoners, now!

Zieh mit uns zur JVA Billwerder. Wir besuchen unsere Freund*innen, die
die Stadt Hamburg seit dem G20 Gipfel hinter hohen Mauern gefangen hält.
Vor dem Knast gibt es Kaffee, Kuchen, Grüsse, Reden und Wunschtitel mit
dem Free-Them-All-Sound-Systhem. Übermittelt uns die Musik-Wünsche der
Inhaftierten, wenn ihr euch mit ihnen, schreibt, sie besuchen geht oder
ihre Lieblings-Songs kennt. Bringt doch Kuchen und Kekse mit bitte.

Sonntag, 01.10., 14:00-17:00 Uhr
S-Bahn Billwerder-Moorfleet

## EN ##

Convocatory for manifestation at Billwerder prison on 1st of October

united we stand – free all G20 prisoners, now!
Come with us to the prison JVA Billwerder. We visit our friends hostaged
by the City of Hamburg behind huge walls since the G20 summit in
Hamburg. In front of the jail we will have coffee, cake, greetings,
speaches and the Free-Them-All-Sound-Systhem will play the favorite
songs of the imprisoned ones. Please tell us their music wishes, if you
write letters with them or go to visits or if you know their favorite
songs. Please bring cake and cookies with you to share.

Sunday, 01/10/17 , 14-17h
Railway station Billwerder-Moorfleet

## FR ##

Appel à la mobilisation pour la manif à la prison de Billwerder.

United we stand – libérez immédiatement tous les prisonniers du G-20 !

Viens avec nous à la prison de Billwerder (JVA). Ensemble nous rendrons
visite à nos ami-e-s que la ville de Hambourg retient prisonniers
derrière de hauts murs depuis le G-20.
Devant la prison il y aura café, gâteaux, discours, messages à
l’attention des détenu-e-s ainsi que, organisé par le soundsystem
Free-Them-Al, la diffusion des morceaux musicaux qu’ils nous ont demandé
de jouer.
Transmettez-nous leurs souhaits musicaux si vous êtes en correspondance
avec eux ou leurs rendez visite ou encore si vous connaissez les
morceaux qu’ils aiment.
Sentez vous libre d’apporter gâteaux et/ou biscuits !

Dimanche, 01.10.17, 14:00-17:00
Station de Métro Billwerder-Moorfleet (S-Bahn)

## IT ##

Invito a una manifestazione al carcere di Billwerder
united we stand – free all G20 prisoners, now!
Vieni con noi a la carcere di Billwerder. Visitiamo gli amici e amiche
che la cittá di Amburgo tiene imprigionati/e dietro alte mura dal G20 in
luglio. Davanti dal carcere ci saranno café e dolci, saluti, allocuzioni
e musica con il Free-Them-All-Sound-System. Ci potete dire le richieste
musicali delle persone incarcerate si corrispondete per lettera con
loro, gli visitate o sapete quale musica gli piace. Per favore portate
torte e biscotti.

Domenica, 01.10., 14:00-17:00
Stazione della metropolitana (S-Bahn) Billwerder-Moorfleet

## HU ##

united we stand – free all G20 prisoners, now!
Gyere velünk a JVA-Billwerderhez. Meglátogatjuk barátainkat, akiket
Hamburg városa a G20-as csúcstalálkozó idöpontjától kezdve magas falak
mögé zárt. A börtön elött lessz kávé, sütemény, üdvözleteket küldünk,
beszédeket tartunk, és kivánsági listáról a Free-Them-All-Sound-System
játszik számokat. Mondjátok meg nekünk a bebörtönzöttek kedvenc dalait,
ha levélváltásból velük kiderült, ha meglátogattátok öket, vagy ha
egyszerüen ismeritek a kedvenc számaikat.
Legyetek szivesek, hozzatok magatokkal a felvonulásra süteményt, vagy
kekszet, amit egymással megosztanánk.

Sunday, 01/10/17 , 14-17h
Railway station Billwerder-Moorfleet

## RU ##

united we stand-free all G20 prisoners now!
вместе мы сила – немедленно освободить всех узников G20!
Идёмте с нами к тюрьме Бильвердер.
Мы посетим наших друзей, которых город Гамбург
с момента встречи Большой двадцатки держит узниками за высокими стенами.
Перед тюрьмой будут: кофе, пироги, приветствия, речи и пожелания
с Освободи – Их – Всех – Звуковой – Системой. Передавайте нам
музыкальные пожелания заключённых,
если вы с ними переписываетесь, их навещаете или знаете их любимые песни.
Приносите, пожалуйста, с собой пироги и печенья.

Sunday, 01/10/17 , 14-17h
Railway station Billwerder-Moorfleet

Erklärung der RH OG Hamburg zum ersten G20-Verfahren vom 28.08.17

Widerstand braucht Solidarität - Gegen den G20-Gipfel
„Heute ist nicht der Tag, um törichte Forderungen von Politikern nach
möglichst harten Strafen zu erfüllen.“

(Richter Krieten zur Urteilsbegründung. Quelle: http://www.mopo.de/28237036)

Das Urteil im ersten Verfahren im Zusammenhang mit dem G20-Gipfel ist
gefallen und man kann es wohl als ein Beispiel von Gesinnungsjustiz
bezeichnen. Es handelte sich um ein politisches Verfahren, bei dem es
nicht um eine inhaltliche Aufklärung der Vorwürfe ging.

Richter Johann Krieten, als rechter Hardliner bekannt, ging mit seinem
Urteil von 2 Jahren und 7 Monaten trotz der schwachen Beweislage weit
über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Diese begründete ihre
Forderung nach einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten mit der
Mitverantwortung des 21-jährigen Angeklagten durch die ihm vorgeworfene
Tat an den „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ am Freitagabend (an dem er
sich schon in Haft befand). Die Verantwortung der Polizei für die
Verschärfung des Klimas durch wiederholte Schikanen und Übergriffe
gegenüber Anreisenden und Camp-Aktivist*innen und den bis zum Angriff
der Polizei auf die Welcome-to-Hell-Demo friedlichen Protest seit Beginn
der Protestwoche bleibt hierbei unerwähnt.

Der Angeklagte P. soll laut Gericht am Abend des 6. Juli im
Schanzenviertel aus einer Gruppe heraus zwei Flaschen auf einen Berliner
Bereitschaftspolizisten geworfen haben. Dieser Polizist – der nach
eigener Aussage durch die Würfe nicht verletzt wurde – führte dann auch
mit Sicherung eines weiteren Beamten die Festnahme des vermeintlichen
Werfers durch. Der Tatvorwurf des Widerstands wurde damit begründet, daß
der Angeklagte sich in sog. „Embryonalhaltung“ der Festnahme widersetzt
habe. P.´s Anwältin erläuterte in ihrem Plädoyer, daß es sich dabei um
eine reflexartige Körperreaktion aus Angst und Eigenschutz und keinen
aktiven Widerstandsakt handelte.

Von der vermeintlichen Tat oder der Festnahmesituation liegen laut
Polizei keine foto- oder videodokumentarischen Aufzeichnungen vor.
Allein auf Basis der widersprüchlichen Aussagen der Polizeibeamten wurde
der Tatvorwurf des schweren Landfriedensbruches, gefährlicher
Körperverletzung, des Widerstands sowie der pünktlich zum G20-Gipfel
verschärfte Vorwurf des tätlichen Angriffs gegen Vollstreckungsbeamte (§
113 und 114 StGB) konstruiert. Letzteres diente Richter Krieten als
Grund, das Strafmaß auf diese absurde Höhe zu setzen.
Auch hat eine falsche Personenbeschreibung der Beamten nicht dazu
geführt die eindeutige Identität des Angeklagten anzuzweifeln.
Sollte sich dieser Umgang in der prozessualen Praxis etablieren, erhält
die Willkür in politisch-motivierten Verfahren einen legalistischen
Anstrich.

Zum Auftakt der G20-Verfahren müssen die Länge der Haftstrafe und die
scharf formulierte Urteilsbegründung als richtungsweisend für die
kommenden Prozesse begriffen werden. Krieten folgt mit diesem Urteil
trotz gegenteiliger Behauptung dem aus Politik- und Polizeikreisen
geforderten scharfen Vorgehen gegen linke und linksradikale
Aktivist*innen und Strukturen. Das Verfahren war eine rechtsstaatliche
Farce mit den Merkmalen eines politischen Schauprozesses und läßt für
die weiteren Prozesse das Schlimmste befürchten.

Für uns gilt darum umso mehr: Wir lassen niemanden allein. Lasst uns
zusammenstehen, lasst uns solidarisch sein!

Was könnt ihr tun?
Unterstützt die Solikampagne „United we stand!“
unitedwestand.blackblogs.org

Antirepression kostet Geld. Spendet auf eins der folgenden Konten:

für die Verfahren:
Rote Hilfe e.V.
Stichwort G20
IBAN: DE25 2605 0001 0056 0362 39
BIC: NOLADE21GOE
Sparkasse Göttingen

für die Unterstützung der Kampagne vor Ort:
Rote Hilfe e.V.
Ortsgruppe Hamburg
Stichwort: United we stand
IBAN: DE06 2001 0020 0084 6102 03
BIC: PBNKDEFFXXX
Postbank Hamburg

Besucht die Prozesse, kommt zu den Kundgebungen. Termine findet ihr hier
unitedwestand.blackblogs.org

Werdet Mitglied in der Roten Hilfe! Weitere Infos dazu:
www.rote-hilfe.de

Hamburg, 30.08.2017